Stuhl – Sessel – Hocker: Der Stuhl als Markenzeichen

On 25. Juli 2012 by Detlef Rochow

Am Anfang der Geschichte von den Möbeln war das Bett. Vor rund 130 000 Jahren schien unseren Vorfahren getrocknetes Seegras und mit Tierhäuten bedeckte Streu in halboffenen Höhlen durchaus komfortabel zu sein. Das Lagerfeuer als Herd, mehr brauchte es nicht, mehr gab es nicht. Es gab keine Bar-Möbel, Heimtextilien, Kamine & Öfen, Polstermöbel, keine Regale, Schränke, Sitzbänke, Sofas, Tische, Teppiche oder Truhen. TV-HiFi-Möbel, Vitrinen, Wohnzimmerlampen oder auch moderne Bettdecken & Decken – Fehlanzeige. Es gab keine Bettwäsche & Laken, Kleiderschränke, Kommoden, Kopfkissen, Lattenroste, Matratzen, Nachttische, Schlafsofas, Schlafzimmerlampen, Schlafzimmerserien oder Teppiche. Schon gar nicht waren Einbauküchen, Elektrogeräte, Essgruppen, Gardinen & Vorhänge, Haushaltswaren, Jalousien & Rollos, Küchengeräte, Küchenregale und Küchentextilien im Angebot. Natürlich fehlten Schränke, Servierwagen, Sitzbänke, Spülen und Tische.

Ein doppeltes Markenzeichen: Als typischer griechischer Stuhl steht er für das typisch griechische Καφενεῖον, das Kafenion als Inbegriff mediterraner Lebenskultur - und ab sofort als Markenzeichen dieses blogs. Foto: Claudia Sturm, fotografiert auf Naxos, Plaka - Paradiso www.claudia-sturm.com.

Ein doppeltes Markenzeichen: Als typischer griechischer Stuhl steht er für das typisch griechische Καφενεῖον, das Kafenion als Inbegriff mediterraner Lebenskultur – und ab sofort als Markenzeichen dieses blogs. Foto: Claudia Sturm, fotografiert auf Naxos, Plaka – Paradiso www.claudia-sturm.com.

Man badete überhaupt nicht oder im Fluss. So waren Armaturen und Bad-Accessoires, Badewannen & Whirlpools, Badgarnituren und Badlampen sowie Badmöbel-Sets, Badregale oder Durchlauferhitzer unbekannt. Duschen, Handtücher, Sauna & Zubehör, Schränke, Spiegel, Waschbecken, Waschmaschinen & Trockner sowie WCs fehlten ebenso wie alle weiteren Badeartikel. Da es keine Kinderzimmer gab, waren Betten, Jugendzimmer, Kinderzimmerlampen, Regale und Schränke, Spielzeug, Tische und Textilien unnötig. Es ist nicht überliefert, dass Fußmatten, Garderoben, Haushaltsgeräte und Mehrzweckschränke, Lampen, Läufer, Schirmständer, Schuhschränke oder gar Schlüsselkästen zum Einsatz kamen.Als Spiegel diente die Oberfläche eines Weihers – der damals schon sprichwörtlich spiegelglatt war. Es muss nicht eigens erwähnt werden, dass kein Bürobedarf bestand. Also auch niemand Bürolampen, Büromöbel, Empfangstheken, Papierkörbe, Pulte, Raumteiler, Regale oder Schränke, Tafeln oder Boards kaufen wollte. Vor der Höhle, heute würden wir Garten dazu sagen, fehlten die Außenlampen, Brunnen, Dekoration genauso wie Gartengeräte und -Häuser, Gartenmöbel, Geräte- und Gewächshäuser, Heizstrahler und Wärmestrahle sowie Hängematten jeglicher Art. Da gejagt, aber nichts angebaut wurde, waren Komposter unnötig, Pavillons, Strandkörbe und Swimmingpools total verpönt.

Grill und Grillzubehör allerdings fand reißenden Absatz. Das wurde gern auch in Übergröße genommen: Auch ein Mammut wollte am Stück gegrillt werden.

Auf Lampen
 aller Art wurde zugunsten von Sonne, Mond und Sterne verzichtet, Heimtextilien gab es einheitlich in Leder mit und ohne Haare, als Accessoires und Dekorationen genügten selbst gemalte Wandzeichnungen. Was damals unsere Vorfahren schmerzlich vermissten waren Baumärkte für Bad und Sanitär, Bodenbeläge, Garagen und Carports, Kamine und Öfen, Leitern und Treppen und manches mehr. Das ist heute zum Glück ganz anders.*

Grill und Grillzubehör allerdings fand reißenden Absatz. Das wurde gern auch in Übergröße genommen: Auch ein Mammut wollte am Stück gegrillt werden. Auf Lampen
 aller Art wurde zugunsten von Sonne, Mond und Sterne verzichtet, Heimtextilien gab es einheitlich in Leder mit und ohne Haare, als Accessoires und Dekorationen genügten selbst gemalte Wandzeichnungen. Was damals unsere Vorfahren schmerzlich vermissten waren Baumärkte für Bad und Sanitär, Bodenbeläge, Garagen und Carports, Kamine und Öfen, Leitern und Treppen und manches mehr. Das ist heute zum Glück ganz anders.*

Auch Stühle, Sessel, Hocker waren unbekannt – man saß auf dem Höhlenboden. Also müssten wir uns das Bett, die Urmutter aller Möbel, zum Markenzeichen wählen? Das kommt uns dann doch zu faul daher, so haben wir den Stuhl zum Symbol unseres Blogs gemacht, auch auf die Gefahr, dass uns vorgeworfen wird, den Hintern nicht hochzubekommen.

Wir wählen den Stuhl zu unserem Markenzeichen. Für uns ist er Inbegriff kreativen Handelns – all unserer Vorfahren und der heutigen Möbelbranche. Nach ein paar tausend Jahren dürfte zum Stuhl eigentlich alles gedacht worden sein. Wir sitzen unverändert auf unserem Allerwertesten und alle Überlegungen damals wie heute kreisen um die Dimensionen Funktion – Design – Qualität – Ergonomie.

Materialien und Nachhaltigkeit der Herstellung kommen noch hinzu. So gibt es inzwischen den Chefstuhl, Arbeitsstuhl, Balkonstuhl, Beichtstuhl, Drehstuhl, Gymnastikstuhl, Gesundheitsstuhl, Esszimmerstuhl, Kinderstuhl, Kinderzimmerstuhl, Kinosessel, Kirchenstuhl, Klappstuhl, Rollstuhl, Theaterstuhl, Holzstuhl, Korbstuhl, Metallstuhl, Rattanstuhl, Plastikstuhl, Webstuhl, Barhocker, Bürostuhl, Relaxsessel, Fernsehsessel, Ohrensessel, Schaukelstuhl, Schlafsessel, Küchenstuhl, Schreibtischstuhl, Gartenstuhl, Korbsessel, Clubsessel, Klappstuhl, Holzstuhl, Ledersessel, Polstersessel, Rattanstuhl, Chefsessel, Ohrensessel, Barockstuhl, Designer Stuhl, Biedermeierstuhl, Sitzwürfel, Kinderhocker, Bistrostuhl, Barhocker und die Fußbank; von Lounge Chair, Recamiere, Chaiselongue, Ottomane, Sofa ganz zu schweigen.

Nicht erwähnen wollen wir den Heiligen Stuhl, den Kaiserstuhl, den Lehrstuhl, aber auch den Dachstuhl und den Glockenstuhl sowie der Fahrstuhl bleiben außen vor.

Sagten wir zur Zeit des Alt- und Mittelhochdeutschen noch stuol zum Stuhl, was im 8. Jahrhundert mit Sitz oder Thron gleichgesetzt wurde, so nennen ihn die Österreicher Sessel, was uns eher an die bequemere Variante des Sitzens denken lässt. Chaise sagt der Franzose, sedes, später sella der tote Römer, chair der Engländer und cathaoir der Ire – und wir wollen uns um alle kümmern und uns keineswegs zwischen alle Stühle setzen.

* Unter www.moebel.de findet man mehr als 500.000 Produkte aus mehr als 150 Shops – eingeteilt in die hier erwähnten Rubriken.
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One Response to “Stuhl – Sessel – Hocker: Der Stuhl als Markenzeichen”

  • Hi,
    ich hätte gerne diesen griechischen Sessel, wenn geht 4 x mit Holztisch. Wohne in Wien, wo kann ich das bekommen?
    mfg
    eva dworak

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