Weder antik noch wertvoll, aber zu schade für den Müll

On 4. August 2012 by Detlef Rochow

Passau: In Passau setzt sich die „Am Sonntag“ (www.am-sonntag.de) für Nachhaltigkeit ein. Im 3. Teil einer Serie schreibt Christoph Eberle: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt, aber gehört alles, was nicht mehr glänzt, gleich in die Tonne? Immerhin werden statistisch in Bayern jedes Jahr rund 500 Kilogramm Müll pro Kopf produziert.“ Wer im Überschwang der neuen Küche oder des neuen Schlafzimmers gleich seine alten Möbel auf den Müll schmeißt macht einen großen Fehler. Nochmals Eberle: „Wer sich ein neues Bett oder eine neue Küche kauft, tut das nicht immer, weil das Vorgängermodell kaputt ist. Oft hat man sich beispielsweise einfach daran „sattgesehen“ oder nach einem Umzug passt das Möbelstück nicht mehr in die neue Wohnung. Dann sind die Teile viel zu schade, um gebührenpflichtig als Sperrmüll entsorgt zu werden.“

Anschließend veröffentlicht die Zeitung, welche Organisationen in Passau Möbelspenden annehmen um damit Menschen zu unterstützen. Die bekommen echte Möbel und können sich einiges der 1.400 Euro sparen, die Le Van Bo für dilettantisch Selbstgezimmertes für vertretbar hält. (siehe dazu auch den Beitrag „Verschont die Möbelbranche vor selbsternannten Gurus und Dilettanten). Das AWO Warenhaus nimmt Möbel oder Haushaltsartikel an. AWO holt sie auch kostenlos ab, stellen Spendenquittungen aus und beschäftigen Langzeitarbeitslose und junge Leute, die keine Lehrstelle gefunden haben (www.anderwerk.de). Auch das Sozialkaufhaus sowie die Passauer Arbeitsloseninitiative nehmen Haushaltsgeräte und Möbel an, die aber in einem guten Zustand sein sollten. Auch hier ist die Abholung kostenlos (www.projekt-wohnen.eu), (www.pali-ev.de). Und in der Flohmarkthalle des Recycling-Zentrum können Möbel abgegeben werden, die dann zum Selbstkostenpreis wieder verkauft werden. Und noch ein Beispiel, diesmal aus Schmelz, einem kleinen Ort, nördlich von Saarbrücken gelegen:

Für 300 Euro gibt es ein ganzes Schlafzimmer

 

Quelle: Karl-Heinz Laube  / pixelio.de

Schmelz: Monika Kühn, Redakteurin der Saarbrückener Zeitung, schreibt am 20. Juli: „Schon beim Betreten des Ladens merkt der Kunde sofort: Das ist kein Möbellager, das ist mehr. Hier wird mit Liebe und viel Motivation ein ‚Geschäft’ betrieben. Die GSE im ASB (Gemeinnützige Gesellschaft für Sozialeinrichtungen des Arbeiter-Samariter-Bundes) hat einen Verkaufsladen für Möbel eingerichtet.“ Alle Möbel sind Spenden von Privatpersonen. Der ASW holt die Möbel ab, poliert sie auf oder repariert sie. Im Laden werden sie wieder aufgestellt und in vielen Fällen hilft das ASW-Team auch bei der Aufstellung in der neuen Wohnung. Und das für wenig Geld. Ein komplettes Schlafzimmer ist bereits für rund 300 Euro zu haben.

„Seit 2001 betreibt die GSE im ASB in Schmelz den ‚anderen Laden’, die Kleider- und Haushaltswarenbörse. Hier werden Kleidung, Haushaltswaren und Spielsachen wieder aufbereitet und zum Verkauf angeboten. Im Laufe der vergangenen Jahre habe sich gezeigt, dass auch die Nachfrage nach gebrauchten Möbeln groß ist,“ schreibt die SZ online. Szenenwechsel: Hückeswagen.

In der Tafel gibt’s jetzt auch Möbel günstig

Hückeswagen: Die Rheinische Post online berichtete am 20. Juli, dass die Christliche Islandtafel in Hückeswagen jetzt ihr Angebot durch ein Möbellager ergänzen. Dort können gebrauchte Möbelstücke und Elektrogeräte für wenig Geld gekauft werden. Die Mitarbeiter der Islandtafel holen Möbel auch ab und lösen Haushalte auf.

Seit 1984 kostengünstige Möbel für Bedürftige

Nadorst: Zum Sommerfest an diesem Freitag (27. Juli 2012) hatte der Diakonie-Möbeldienst ins Bunte Kaufhaus am Eßkamp 23 eingeladen – und mit berechtigtem Stolz Bilanz gezogen: Der Möbeldienst hat seit seiner Gründung 1984 viel Erfahrung mit dem Abholen und Weitergeben von Möbeln und Hausrat an einkommensschwache Haushalte gesammelt und dabei vielen geholfen, manchem aus akuter Not. Mit dem Wechsel zum Bunten Kaufhaus am Eßkamp hat sich noch mal einiges zum Besseren verändert: In großzügigen, hellen Ausstellungsräumen werden auf 2.200 Quadratmeter gespendete Möbel, Second-Hand-Waren, Elektrogeräte und Hausrat ansprechend präsentiert.

So ist das Kaufhaus nicht nur für Menschen da, die auf Arbeitslosengeld  II oder Sozialhilfe angewiesen sind, sondern auch andere aus vornehmlich einkommensschwachen Haushalten erhalten die Möglichkeit sich kostengünstig einzurichten. Bedauerlicherweise nimmt diese Zahl weiter zu. Einkäufe können in bar oder mit einem Möbelschein des Jobcenters oder des Sozialamtes bezahlt werden. 

Darüber hinaus bekommen im Kaufhaus, dem Lieferservice und in der Werkstatt Arbeitssuchende eine neue Chance, sich beruflich zu orientieren. Das Job-Center weist der Diakonischen Einrichtung gerne neue Mitarbeitende zu, weil die Vermittlungschancen für die Betroffenen nach einer Beschäftigung im Bunten Kaufhaus deutlich höher sind.

Wir meinen, was wir über Passau, Schmelz, Hückeswagen und Nadorst schreiben können, nur stellvertretend für viele Orte in Deutschland gilt. Zur Nachahmung empfohlen. (Diese Reihe wird fortgesetzt).

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