Möbel Kraft – Bestes Möbelhaus 2012. Ein Kommentar.

On 19. November 2012 by Detlef Rochow

Wir gratulieren Möbel Kraft zum Titel „Bestes Möbelhaus 2012“ und wir gratulieren Steelcase einfach so. Warum – das steht ganz am Ende des Artikels.

Das Leben kann so einfach und angenehm sein – und doch machen es sich die Möbelhäuser gegenseitig und vor allem sich selbst unsäglich schwer. Sie belästigen die Verbraucher mit bunten Beilegern und lassen von Jugendlichen („ich war jung und brauchte das Geld“) die Briefkästen in den Kundenpostbezirken mit ihrer marktschreierischen Werbung vollstopfen. Damit sie das können, gilt bei jedem Kauf die letzte Frage der Postleitzahl – und wir geben sie bereitwillig an.

Die Möbelhäuser führen eine Preisschlacht ohne gleichen – kein Rabatt, den sie sich ausdenken, kann albern genug sein um uns nochmals zu sagen: Wir sind billiger als der Wettbewerb – und billig ist wichtig – jetzt. Also denke nicht, vergleiche nicht, kaufe – jetzt, sofort. (Und wenn nicht, dann keine Panik, für nächste Woche haben wir uns bereits eine noch blödsinnigere Aktion ausgedacht, genauso billig.) Und selbst für diese Botschaft zahlen wir, die Käufer.

So sollen wir systematisch zu Schnäppchenjäger und Billigheimer gemacht werden, die auf Qualität pfeifen und lieber alle drei Jahre neue Billigmöbel kaufen. Das nennen wir dann auf der Höhe unser Zeit zu bleiben, trendorientiert zu wohnen. Nachhaltig geht anders, billig ist das auch nicht. Dass sollten Sie sich am besten von einem Schwaben erklären lassen: „I will was fürs Geld – das
Preisleischtungverhältnis muss stimmen, dafür zahl ich auch etwas mehr. Qualität lohnt sich meischt.“

Als Schnäppchenjäger und Geiz-ist-Geil-Idiot zahlen wir nicht nur mehr für den Schund, sondern drücken die Löhne der Verkäufer in den Möbelhäusern, die Löhne der Arbeiter, die bereit wären Qualität zu produzieren, die Ausfahrer und Aussteller, die wir in den Akkord zwingen. Lebensfreude, Lebensqualität und Umwelt bleiben auf der Strecke. All das wollen nicht mal die Möbelläden selbst, sie meinen nur, es geht nicht anders. Doch: Möbel Kraft zeigt es (siehe ganz, ganz unten).

Gott-sei-Dank überlebt ein Billigschrank die Reise im LKW von Polen oder aus der Ukraine nach Westeuropa nicht unbeschadet, so haben Möbelbauer in Deutschland immer noch eine Chance bei sogenannter „montierter oder teilmontierter Ware“.

© Foto: Stephan Jauch. Wuchtig wie alle großen Einrichtungshäuser, aber hinter der Fassade steht der Mensch im Zentrum: Mitarbeiter und Kunden. Das Foto entstand anläßlich der Eröffnung der dritten Filiale von Möbel Kraft.

Und fast hätten wir ihn vergessen: Wir quälen noch einen weiteren Berufsstand durch unsere naive Billigtour: den Einkäufer. Der geht mehrmals im Jahr los und sagt den Herstellern, was sie produzieren sollen. Da muss er dann Möbel bestellen, die er sich selbst nicht ins Wohnzimmer stellen würde, also natürlich nur Dinge, die die Masse der durchaus verachteten Käufer zu wollen scheint, und gewiss nicht zu für Hersteller akzeptablen Preisen. So bleibt auch der Geschmack, der Sinn fürs Schöne auf der Strecke – im irrtümlichen Glauben, wir wollten es so. Design und gute Qualität seien nur noch was für Reiche, so die unterschwellige Botschaft. Das es auch anders geht, zeigt Fashion for Home, die sich seit langem bemühen Design und Qualität zu vertretbaren Preisen anzubieten: http://www.fashionforhome.de/ .
Dass man diesen Teufelskreis durchbrechen kann, zeigt Möbel Kraft.

Denn das Leben kann doch einfach und angenehm sein – man muss nur die Negativspirale des gedankenlosen Verbrauchs von Billigstware umdrehen zu einer Spirale, die nach oben weist – in Richtung Nachhaltigkeit und Qualität:

Stellen wir uns ein Möbelhaus vor, nennen wir es „Möbel Kraft“ oder ein Unternehmen, nennen wir es „Steelcase“. Dort wird in die Aus- und in die Weiterbildung investiert, die Mitarbeiter werden anständig behandelt und bezahlt. Der Mitarbeiter ist Mensch und als solcher tritt er selbstbewusst und verantwortungsvoll den Kunden gegenüber. Das spürt der potenzielle Käufer, ein Gespräch entsteht, dem Verkäufer macht es Freude, durch sein Engagement und sein Wissen dem Gegenüber genau das anzubieten, was diesem noch lange viel Freude machen kann. Der Preis der Ware verliert an Bedeutung.

Die Zulieferer werden zu Partner, es entsteht eine Beziehung, die keinen Wettbewerb zu fürchten braucht. So schafft man Vertrauen, so gewinnt man Stammkunden, die einen gegen Konjunkturschwankungen immun machen, so hat man Mitarbeiter, die einen auch durch eine Krise tragen, so beginnt eine Mund zu Mund Propaganda, die marktschreierische Werbung unnötig macht, so beginnt ein Wettbewerb zum Guten.

Wir gratulieren dem Möbelhaus Kraft, das als „Bestes Möbelhaus 2012“ gekürt wurde. In der Laudatio heißt es: „Die Angestellten gingen am individuellsten auf die Kunden ein und nahmen sich viel Zeit für die Gespräche. In der Beratung beschränkten sie sich nicht nur auf die Vorstellung eines Produkts, sondern boten auch Alternativen an. Insgesamt waren die Mitarbeiter sehr freundlich und hilfsbereit. In Bezug auf das Angebot überzeugte das Möbelhaus unter anderem mit dem umfangreichen Angebot an Waren verschiedener Materialien und Stilrichtungen…“ Wir gratulieren der Unternehmensleitung, weil es kein Zufall ist, solche Mitarbeiter zu haben.

Wir gratulieren – ohne aktuellem Anlass – dem Unternehmen Steelcase, dass sich seit vielen Jahren der Idee verschrieben hat, Arbeitsumgebungen zu schaffen, die den Menschen ein angenehmes Arbeiten ermöglichen, das der Gesundheit förderlich ist, ergonomisch, umweltfreundlich, nachhaltig sowieso, und inzwischen – Motto: Cradle to cradle – sollen alle eingesetzten Materialien wiederverwendet oder in den Naturkreislauf zurückgegeben werden können. Mehr dazu später hier.

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