Alarm: Möbel auf Google komm raus

On 17. September 2013 by Detlef Rochow

Wir zeigen die ganze Vielfalt des Themas Möbelbranche – wie sie Google sieht: 19 Meldungen, 1 Blog-Beitrag, 50 Web-Einträge*  – Stichwort Möbel – bringt der Google Alert bereits morgens um 6 Uhr und da ist die Welt noch in Ordnung, oder doch nicht?

1. – 3.(3 Meldungen) Gegen die S&K Immobiliengruppe, gegen Schäfer und Köller wird wegen Anlagebetrugs ermittelt. Die Beiden lebten auf großem Fuß und wurden dafür geliebt, Schon jetzt werden Möbel und Kunst versteigert. 4. In Herford erhält Henry Baumann für seine „Möbel aus Obstkisten“ den mit 2.500 Euro dotierten Recycling-Designpreis und 5. die Kita Bockenau  hat „1.000 Euro für neue Möbel“, gewonnen in einer Verlosung des Real-Marktes Bad Soberheim.

6. Davon unbeeindruckt erklären uns die adhoc-News in einer ihrer rund 10.000 Meldungen pro Tag dass „Möbel mit Stauraum dabei helfen, den täglichen Krimskram in den Griff zu bekommen.“ Und hübsch seien sie auch noch. Stimmt!

Lago Design Regal Diagolinea

© Foto: Lago. Das Regal Diagolinea von Lago, wurde auf dem 52. Salone Internazionale del Mobile Mitte April diesen Jahrs erstmals dem Publikum präsentiert und bietet Stauraum für viele Bücher.

 

7.Ob das Stauraum-Thema für den Fitness-, Wellness- und Gesundheitscubs in Benrath, Teil der Vitalis-Gruppe, wichtig ist, wissen wir nicht, aber deren Rezeption wurde gerade vom Möbel-Designer Jörg Nöll auf italienisch getrimmt und sieht jetzt recht aufgeräumt aus.

 

© Foto: Vitalis. Wellness und Fitness – ein die Sinne ansprechendes Ambiente – und das beginnt bei Vitalis bereits am Empfang.

8. Derweil erkennt DIE WELT, dass die „Möbel der Zukunft als digitale Moralapostel arbeiten“ und die Berliner Morgenpost stellt 9. – ohne Bezug zu etwas Aktuellem – den Baumeister Karl Friedrich Schinkel als Möbel-Designer vor. Uns soll es recht sein, die Sitzgruppe sieht doch recht respektabel aus. Sie wurde nach der spektakulären Entdeckung der Möbelgarnitur bei einem Kunsthändler in Italien im Juni von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gekauft. Begeistert hieß es damals: „Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist keine so umfangreiche Gruppe von Sitzmöbeln von Karl Friedrich Schinkel mehr auf dem Kunstmarkt aufgetaucht: Sie wurden wohl einst für das Berliner Schloss Glienicke im Auftrag des Prinzen Carl von Preußen (1801–1883) um 1820/25 von Karl Friedrich Schinkel entworfen:

Sitzgruppe von Schinkel um 1826 für Schloss Glienicke gestaltet

© Foto: Kulturstiftung der Länder. Im Roten Salon im Obergeschoss von Schloss Glienicke: die vergoldete Möbelgarnitur von Karl Friedrich Schinkel, um 1826/27. Weiter schwärmt die Stiftung: „In prunkvoller Ausstattung mit fast vollständig erhaltener originaler Vergoldung, filigraner Schnitzarbeit und vollendeter Ausführung der Konstruktion zeigen sich die Möbel als herausragendes Zeugnis der höfischen Wohnkultur des 19. Jahrhunderts. Die aufgelegten Blätter der Beine und die seitlichen Rosetten der Garnitur bestehen aus der in Schinkels Schaffen häufig anzutreffenden rötlichen Masse, der sogenannten Holzbronze. Schinkel vermerkte auf seiner Entwurfsskizze „Gold purpur, Großes Zimmer“, was Experten auf das große Zimmer („Roter Saal“) im Obergeschoss von Schloss Glienicke bezogen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt aber zurück zum ernsten Geschäft (Teil 1: Trends): Zum einen 10. „Vintage – Das Fernziel Ewigkeit“ wie das Alberto Alessi formuliert hat. Vintage, die Welt der Vergangenheit, gibt Orientierung im Überfluss des Neuen. Der Berliner Möbel-Galerist Clemens Tissi sieht das ähnlich, ist aber verärgert: Vintage sei zu einem „Label“ verkommen. Die Entwürfe von Eames, Hans Wegner und Arne Jacobsen sind inzwischen überall zu haben. „Vintage bedeutet heute die Angst vor dem eigenen Geschmack. Das neue Bürgertum hat in Vintage das Vokabular gefunden, um seine Orientierungslosigkeit zu kaschieren“, sagte Tissi der WELT.

 

Für die Ewigkeit der Lounge Chair von Designer Eames

© Foto: vitra. Der Lounge Chair und der zugehörige Ottoman wurden vom amerikanischen Designerpaar Charles und Ray Eames 1956 entworfen und für den Möbelhersteller Herman Miller entwickelt. Seither werden die Sessel bei Hermann Miller produziert und in Europa unter Lizenz bei vitra produziert. Ein Besuch von VitraHaus  und Vitra Design Museum sind unbedingt zu empfehlen.

Eine Nummer kleiner der Trend 2014 bei den Gartenmöbeln 11. Anläßlich der kürzlich zu Ende gegangenen Kölner Gartenmesse spoga+gafa ist bei sol.de zu lesen: „Wenn es draußen warm ist, wird im Garten und auf Balkon oder Terrasse gewohnt.“ Genau – und ansonsten werden 2014 Schaukelstühle und Hollywoodschaukeln en vogue sein, und zwar in „stylisch luxuriösen Look“.

Das ernste Geschäft (Teil 2: Möbelhäuser): 12. Möbel Höffner in Woltersdorf hat sich ein Gewinnspiel ausgedacht, bei dem Menschen vor der Filiale auf ausgewiesen Plätzen ausharren bis das Möbelhaus am Samstag früh aufmacht. Der Andrang ist riesig, es gab Ledersofas zu gewinnen. Währenddessen erfreut die Möbelkultur – Meldung Nummer 13. – mit der Schlagzeile: „Hülsta – Kooperation mit Teufel für die besten Soundmöbel.“ Gemeint ist der Berliner Hifi-Fachmann „Lautsprecher Teufel“. Noch seriöser die beiden Meldungen 14. + 15. zum gleichen Thema: Porta feiert nach „Rekord-Bauzeit von nur neun Monaten“ auf dem Geländer der Alten Messe Leipzig am 19. September die sogenannte „feierliche Eröffnung“ und dann können Möbel und Accessoires auf 33.000 Quadratmetern Fläche gekauft werden. Vergessen ist, dass Porta bereits 2008 erstmals Interesse an dem Grundstück auf der Alten Messe Leipzig gezeigt hat und seither alles seinen gemächlich bürokratischen Gang ging.

16. Interne Nachfolgeregelung. Philipp Mathon hatte die Geschäftsführung von Nolte Möbel verlassen, diese Position übernahm Steffen Urbschat zum 30. Juni, dessen Aufgaben jetzt von Heinz Schwinte übernommen wurde, der bisher Gebietsrepräsentant für Nolte Möbel war. Damit haben jetzt Schwinte gemeinsam mit dem langjährigen Vertriebsleiter Klaus Fink die Vertriebsverantwortung in Deutschland übernommen. Fink und Schwinte werden sich die Verbands- und Kundenbetreuung aufteilen. Wir gratulieren.

Und immer wichtig, das Thema Nr. 17: Ausbildung. Hans-Jörg Munke erzählt im Hamburger Abendblatt am Beispiel des 22-jährigen Dennis Harmeter wie spannend der Arbeitsalltag und wie herausfordernd die Aufgaben einer angehenden Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice (FMKU) sein können. Auch, dass es ein krisensicheres Arbeitfeld ist, denn „rund 4,5 Millionen Haushalte ziehen in Deutschland jährlich um“. 18. Da sollte er auf alle Fälle das “richtige Werkzeug  für den Umzug“ dabei haben. „Diese Elektrogeräte gehören zur Grundausstattung“ fabuliert die myimmo Immobilien News und reiht Plattitüde an Gemeinplatz, Albernheit an sattsam bekanntes. Ach ja, umgezogen werden natürlich Möbel.

Will der Ausbilder von Dennis Harmeter neue Akkuschrauber für seine Azubis kaufen, kann er das mit 19. Klarna tun. Denn „Klarna bietet Zahlungslösungen für den Internethandel, die es Verbrauchern ermöglichen, einfacher und sicherer online einzukaufen.“ Zehn Millionen Einkäufern können nicht irren, denn so viele nutzen inzwischen die Services des Unternehmens. O-Ton Klarna: „Aktuell werden von Klarna jährlich Transaktionen im Wert von rund 1,8 Milliarden Euro über die 15.000 Händler durchgeführt, die Klarna anbieten. 2005 von drei Gründern in Stockholm ins Leben gerufen, ist Klarna auf mittlerweile über 800 Mitarbeiter gewachsen.“ Und warum erzählen wir das? Weil jetzt auch der Möbel-Discouter roller.de für seine online-Kunden Klarna-Sicherheit bereit hält. Roller selbst bietet in über 6.000 Artikel rund ums Wohnen und Einrichten an – vom Sofa über Teppiche und Gardinen bis hin zu Dekoartikeln.

Das waren die 19 Beiträge, die Google für den Tag anbietet. Jetzt müssten wir den einen Blog-Beitrag und die 50 Web-Einträge referieren, um ein vollständiges Google-Bild zu liefern. Besser nicht.

 

* Wir haben uns nur auf die 19 Meldungen konzentriert, den einen Blogbeitrag sowie die 50 neuen Einträge im Web haben wir ignoriert – auch weil sie fast nur Firmenmeldungen, Werbung eben, beinhalten.

** zwei Locations die sich lohnen:

VitraHaus www.vitra.com/vitrahaus

Vitra Design Museum
www.design-museum.de

Mo-So: 10-18 Uhr

Charles-Eames-Str. 1 und 2

D-79576 Weil am Rhein

+49 (0)7621 702 3500 (VitraHaus)

+49 (0)7621 702 3200
(Vitra Design Museum)

Bitte beachten:
Wegen Umbauarbeiten bleibt das Hauptgebäude des Vitra Design Museums bis einschliesslich Freitag, 27. September 2013 geschlossen.

 

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Detlef Rochow

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