IKEA – im Zentrum der Städte angekommen

On 1. Juli 2014 by Detlef Rochow

Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass die Möbelfachgeschäfte in den Innenstädten aufwachen, besser: aufschrecken, und ihr seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig wiederholtes Mantra von besserer Beratung und günstiger Lage in Laufweite ihrer Kunden kurz unterbrechen und sich ihrer zunehmend unbequemeren Situation gewahr werden: Jetzt greift Ikea den Fachhandel auf eigenem Terrain an – in den Innenstädten. Die anderen großen – Krieger, XXXLutz, Tessner-, Porta Gruppe, Segmüller, Poco, Dänisches Bettenlager, Möbel Martin – werden folgen und auch Ikea hat weitere Standorte im Visier.

Auf der anderen Seite des Wettlaufs des Hasen mit den Igeln warten für den Fachhandel die allgegenwärtigen immer erreichbaren Onlinehändler wie Ebay, Amazon und Otto. „Wir sind auch schon da“ rufen sie. Der Fachhandel verschließt die Augen vor der Gefahr und versucht blind zwischen Skylla und Charybdis hindurch zu steuern – gewiss nicht mit größerem Erfolg als seinerzeit Odysseus.

Gestern hat Ikea die erste Innenstadt-Filiale in Hamburg-Altona eröffnet mit nur geringfügig geändertem Konzept: Obwohl die Fläche gegenüber einem normalen Markt um 20 Prozent reduziert wurde, wird das gesamte Sortiment des aktuellen Katalogs gezeigt. Neu auch: Die passenden Accessoires – praktisch den Wohnwelten des Fachhandels nachempfunden und konsequent weiterentwickelt – können jetzt direkt in den entsprechenden Abteilungen wie Wohnen, Schlafen, Küche gekauft werden.

Großer Andrang am ersten Tag
Die Kunden standen Schlange, der Markt wird angenommen, viele kamen mit Bussen oder U-Bahn, dem Fahrrad oder zu Fuß, denn gut 150 000 Menschen leben innerhalb eines Radius von nur drei Kilometern. Da, so die Überlegungen des Manager, wird es mehr Kunden geben, die mal rasch reinschauen. Entsprechend hat Ikea sein Standardkonzept der besonderen Situation angepasst. Man bietet die Lieferung am gleichen Tag, Carsharing, Leihräder mit Anhänger oder Lasttaxis an.

Fassade des IKEA-Einrichtungshauses in Altona der Hamburger Architekten Dinse Feest Zurl. (Bild: Dinse Feest Zurl): Die Möbelhauskette Ikea hat gestern ihre weltweit erste Innenstadt-Filiale in Hamburg-Altona eröffnet. Der schwedische Konzern investierte mehr als 80 Millionen Euro am Standort an der Großen Bergstraße. Im sieben Stockwerke hohen Gebäude – 4 Parkdecks für rund 730 Autos, 3 Stockwerke für eine Ausstellungsfläche mit rund 18.000 Quadratmetern – arbeiten rund 300 Menschen.

Was bislang unnötig war, ist in einer Innenstadt ein Muss: In Altona gibt es Schaufenster im Erdgeschoss und Tageslicht statt Halogen und die Gastronomie ist im 3. Stock untergebracht, genauso wie das „Kinderparadies“. Ikea rechnet mit rund 5 000 Kunden täglich.

Auf der Website betont das Möbelhaus: „Besonders entspannt erreichst du dein IKEA Hamburg-Altona mit den öffentlichen Verkehrsmitteln!“ Was sie damit nicht sagen wollen, dass nahezu alle anderen Filialen nur gestresst erreicht werden.

Der Bau des Möbelmarktes war zunächst umstritten, wurde aber in einem Bürgerentscheid mit einer Mehrheit von rund 77 Prozent der Stimmen gebilligt. So waren gestern auch nur wenige Demonstranten und viele Neugierige zu sehen.

Auch heute gibt es schon einige Ikea-Märkte, die mit Bus und Bahn oder dem Fahrrad zu erreichen sind. In Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, liegt eine Ikea-Filiale im ersten Stock eines Einkaufszentrums. In Coventry in England gibt es eine kleinere Filiale. Und auch in Berlin und Köln sind die Filialen des schwedischen Einrichtungshauses mit dem öffentlichen Nahverkehr oder dem Fahrrad zu erreichen. Doch wirklich in der Innenstadt liegt erst jetzt die Filiale von Hamburg-Altona.

Apropos innovative Konzepte: Mit der IKEA Katalog App hat der zukünftige Möbelkäufer auf Smartphone oder Tablet den ganzen Katalog immer griffbereit. Und er kann bislang rund 90 Ikea Produkte virtuell in Ansichten der eigenen Wohnung integrieren. Und das sieht dann so aus:

Öffnungszeiten:
Einrichtungshaus und Småland (für Kinder von 3 – 10 Jahren)

Mo.-Sa.: 10.00 – 19.30 Uhr
Restaurant
Mo.-Sa.: 9.00 – 19.00 Uhr
Café
Mo.-Sa.: 8:00 – 19.30 Uhr

Verkaufsoffener Sonntag am 6.7.2014:
Einrichtungshaus
13.00 – 18.00 Uhr

Und hier geht es zur ersten City-Filiale von Ikea

Titelfoto: © IKEA Deutschland

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Detlef Rochow

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